Stock und Schwert – „Real Budô“

afa. – Budô- Philosophie geht von der Annahme aus, daß Erfahrung zu intuitivem Wissen führt. Diese Annahme beruht ihrerseits auf Erfahrung.

Das intuitive Wissen eines erfahrenen Budôkas ist auf körperlicher Erfahrung, intellektuellem Verständnis und der Integration von Emotionen und Gefühlen gegründet.

Es gibt, grob gesagt, drei Arten von Menschen, die sich als Budôkas bezeichnen, dies aber in sehr unterschiedlichem Maße tatsächlich sind.

Da sind zunächst jene, die noch nie etwas davon gehört haben, daß eine Philosophie des Budô überhaupt existiert. Z’u denen rechne ich auch die, die jede Budô-Philosophie generell für irrelevant halten. – Dann gibt es diejenigen Budôkas, die von philosophischen Konzepten des Budô gehört haben und darüber eigenständig sprechen oder referieren können. Und schließlich gibt es die Gruppe derer, die die philosophischen Konzepte des Budô verstanden haben und sie tatsächlich in der Praxis anwenden.

Ein Budôka, der um die philosophischen Konzepte des Budô weiß, weil er etwas darüber gehört oder gelesen hat, kann natürlich darüber referieren, soweit er diese Konzepte intellektuell verstanden hat. Jedoch können nur diejenigen Budôkas, die die philosophischen Budô-Konzepte über das intellektuelle Verständnis hinaus verinnerlicht haben, diese in der Praxis immer und überall und in allen Lebensbereichen intuitiv anwenden. Dieses Verinnerlichen der Budô-Philosophie vollzieht sich als körperliche, intellektuelle und emotionale Durchdringung von Technik und philosophisch-theoretischem Lehrinhalt.

Die philosophischen Inhalte des Budô werden anhand der praktischen Kampfkunst-Übung erprobt. Was die philosophischen Konzepte aussagen, muß in der Übungspraxis des Dôjôs in Erfahrungswissen umgemünzt werden. Kenntnisse und Fähigkeiten werden im Budô stets durch eigene, persönliche Bemühungen gewonnen. Der Weg der Übung führt zu Einsicht und wirklichem, authentischem Wissen.

Die Praxis-Seminare und Lehrgänge, die Andreas F. Albrecht und Stephan Yamamoto unter dem Titel „Stock und Schwert“ veranstalten, sind nicht zuletzt darauf ausgerichtet, die grundlegenden Konzepte der Budô-Philosophie vorzustellen und an konkreten Beispielen durchzuexerzieren. Die grundlegenden Konzepte de Budô-Philosophie sind im gewöhnlichen Trainingsbetrieb, der meist unter sportlichen Gesichtspunkten abläuft, zwar latent auch vorhanden, werden den Trainierenden aber selten vollumfänglich bewußt, so daß sie in der Trainingswirklichkeit nur eine marginale Rolle spielen.

In den Karadeera-Praxisseminaren von Albrecht und Yamamoto liegt der Fokus daher nicht nur auf technischem Wissen über Stock und Schwert – Waffen, die auch für Karatekas von Wichtigkeit sind. („Betrachte die Hände und Füßen eines Menschen als scharfe Schwerter!“ – Funakoshi Gichin). Zur Praxis kommt in den Karadeera-Seminaren auch theoretisches Grundlagenwissen und die bewußte Zusammenschau von Theorie und Praxis.

Körper, Intellekt und emotionale Beteiligung sind bei „Stock und Schwert“-Seminaren gleichermaßen gefordert. Praktisch heißt das, daß bei den Stock- und Schwertlehrgängen für Karatekas (und andere Budôkas) die innere Bearbeitung von Themen wie flexibler Geisteshaltung (jûanshin) oder Zanshin von zentraler Bedeutung sind. Wer weiß schon, daß korrektes zanshin die Komponenten metsuke (visuelle Konzentration) shisei (Haltung), maai (Interaktionsabstand), kiai (gesammelte Energie) und kime (Entscheidungskraft) aufweisen muß und was dies im Einzelnen konkret bedeutet?

Bei den Stock- und Schwert-Lehrgängen werden solche Konzepte der Budô-Philosophie ins Visier genommen, durch Übungspraxis erfahrbar gemacht und in den Wissensschatz der Budokas als reales Erfahrungswissen integriert. Viele der tiefergehenden Budô-Konzepte sind dabei oft kaum dem Namen nach bekannt: Zum Beispiel ri-ai (Kohärenz), sei to dô (Ruhe und Bewegung) yoyû (Selbstbegrenzung) fudôshin (tiefinnere Seelenruhe) oder gôjô (die fünf Grundbedingungen des Budô), obwohl man über solche Begriffe auch in Dave Lowry’s Essay-Sammlung „Pinsel und Schwert. Vom Geist der Kampfkünste“ nachlesen kann – das Buch wird seit langem bei schlatt books verlegt. Sie gehören zum Kernbestand der Begrifflichkeiten der Budô-Philosophie und sind doch nur wenig bekannt.

Und genau deshalb werden diese Begriffe der Budô-Philosophie in den Stock- und Schwertlehrgängen von Andreas F. Albrecht und Stephan Yamamoto nach und nach erfahrbar gemacht, genau wie die bereits genannten, zumindest oberflächlich bekannten Konzepte wie zum Beispiel maai, kiai, kime oder zanshin. Gerade die zuletzt genannten Begriffe werden zwar populär diskutiert, aber dann oft halbverstanden in einer versteckten Ecke des Budô-Wissensfundus’ abgelegt, woraufhin sie dann keine weitere Bedeutung für die Trainings-Praxis haben.

Die Karadeera Stock- und Schwertlehrgänge von Albrecht und Yamamoto wirken diesem Umstand entgegen. Sie stehen unter dem Primat jener Geisteshaltung, die mit wirklichem „Budô“ in Verbindung gebracht werden sollte. Allein diese Geisteshaltung ist es, die der Übung einer Kampfkunst einen tieferen Sinn verleiht.

Weitere Termine zu Karadeera Stock- und Schwert-Lehrgängen werden auf den Karadeera-Seiten bekanntgegeben.

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